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Herzlich willkommen bei der GgG e.V.

Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung (GgG) e.V. ist eine gesellschaftspolitische Initiative mit dem Ziel, die soziale Akzeptanz von dicken Menschen zu verbessern und Diskriminierung auf der Basis von Körpergewicht zu bekämpfen.

Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung ist eine Vereinigung von Menschen aller Kleidergrößen und Bauchumfänge, die aus ganz verschiedenen Gründen nicht einverstanden sind damit, wie unsere Gesellschaft mit dicken Menschen umgeht. Da wir ein gesellschaftspolitisches Ziel haben und uns nicht primär als Betroffenengruppe sehen, ist das Gewicht unserer Mitglieder für uns von nachgeordneter Bedeutung. Was für uns zählt, ist die Motivation, gegen einen uns alle schädigenden Schlankheitswahn aktiv vorzugehen.

Wir von der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung arbeiten daran, weit verbreitete Vorurteile zum Thema Körpergewicht abzubauen. Wir bieten Informationen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema fördern, und unterstützen Einzelne im Falle einer Diskriminierung wegen ihres Gewichts.

Literatur-Empfehlungen

Das Thema Gewichtsdiskriminierung und Gegenpositionen zu den gängigen Vorurteilen in Bezug auf hohes Gewicht finden nur sehr langsam in die Politik. In der Literatur sind diese Themen aber bereits fest verankert. Wir haben im Folgenden einige Titel für Sie zusammengestellt, die sich mit der "Bannung" des Fettes, den Erfolgsaussichten von Diäten und dem aktuellen Schönheitsideal kritisch auseinandersetzen.

Wir freuen uns sehr, dass wir inzwischen einen Teil dieser Wissenschaftler, Ärzte und Aktivisten in unserem Beirat begrüßen dürfen.

Zusatzgebühren für die Bestattung hochgewichtiger Menschen

„Man schließt die Augen der Toten behutsam; nicht minder behutsam muss man die Augen der Lebenden öffnen.“ Behutsamkeit, in diesem von Jean Cocteau gewähltem Wort stecken Achtung und Würde gleichermaßen. Dem Toten gegenüber ist sie eine letzte stille Anerkennung seiner Menschlichkeit, den Hinterbliebenen ein Trost. Sie muss daher Prämisse sein für alle, die diesen letzten Weg gestalten. Dazu passen weder Rabattschlachten noch Zusatzgebühren, wie sie für die Beisetzung hochgewichtiger Menschen in mehreren Städten in Süddeutschland eingeführt wurden.

Der Mensch ist Teil seiner Gemeinde, unabhängig vom Körpergewicht. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt fordert, muss sich hierzu klar bekennen – das schließt den Tod mit ein. Ja, für die Bestattung werden zusätzliche Sargträger und ein größeres Erdloch benötigt. Eine Form der Finanzierung, die den hochgewichtigen Menschen nicht aus unserer Gemeinschaft löst und auf ein abzuwiegendes Stück Fleisch reduziert, müssen wir aber genauso im Blick haben.

Gewichtsdiskriminierung: ein Fall für den Verbraucherschutz

Für das Verbrauchermagazin SUPER.MARKT sucht der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) dicke Menschen, die Fälle schildern, in denen sie als Verbraucher*in stark benachteiligt oder sogar diskriminiert wurden. Den Impuls für das Sendungsthema gab laut Redaktion „der Fall einer Zuschauerin, die ein Sofa reklamieren wollte, was ihrer Meinung nach schlecht gepolstert war und erhebliche Stabilitätsmängel hatte. Sie bekam zu hören, dass es sich um eine Überbelastung aufgrund ihres Gewichts handelt.“

Der Sender möchte darüber hinaus positive Beispiele in den Fokus rücken und hofft auf Tipps, wo in Berlin und Umgebung Geschäfte zu finden sind, die sich gezielt an den Wünschen und Bedürfnissen dicker Menschen orientieren. Die GGG stellt hier gern den Kontakt her und leitet entsprechende Empfehlungen weiter.

Was bedeutet die GroKo für das Thema „Gewichtsdiskriminierung“?


Seit den frühen Morgenstunden steht fest, dass Deutschland zukünftig von einer Großen Koalition regiert werden wird. Mit CDU, CSU und SPD kommen dabei Parteien zusammen, die sehr unterschiedliche Position zum Thema Gewichtsdiskriminierung vertreten. Die Union sieht hier zu allererst Forschungsbedarf und lehnt einen eigenen Diskriminierungsschutz für das Merkmal Gewicht ab. Die SPD dagegen will das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) weiterentwickeln. Basis hierfür soll der Dritte Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)​ sein. Aus diesem Bericht geht ein hohes Diskriminierungsrisiko für dicke Menschen im Bereich Gesundheit und Pflege hervor. Ein gesetzlicher Diskriminierungsschutz für das Merkmal Gewicht läge damit auf der Hand.

„Wir verurteilen Rassismus und Diskriminierung in jeder Form“, dieser Satz aus dem Koalitionsvertrag beschreibt den kleinsten gemeinsamen Nenner der Positionen: die Ablehnung von Gewichtsdiskriminierung. Damit lässt sich in dieser Legislaturperiode eine Erweiterung des Merkmalkatalogs des AGG nicht herbeiführen, allerdings verschafft der Satz „Aktionspläne werden wir fortführen und weiterentwickeln“ der SPD womöglich eigene Handlungsspielräume. … weiterlesen

Wie erleben dicke Jugendliche den Einstieg in die Arbeitswelt? Interviewpartner*innen gesucht

Gewichtsdiskriminierung ist bisher ein wenig beforschtes Thema in Deutschland. Wir freuen uns daher sehr, eine weitere Anfrage aus dem Bereich Wissenschaft & Forschung weiterzugeben. Dies Mal werden dicke Jugendliche und junge Erwachsene gesucht, die schildern, wie sie ihren Berufseinstieg erleben. Bei Interesse stellen wir gern den Kontakt her.

„Gewichtsdiskriminierung bei der Ausbildungssuche ist das Thema meiner Bachelor-Arbeit, die ich zurzeit im Rahmen meines dualen Studiums schreibe. Die Fragestellung ist, ob und inwiefern dicke Jugendliche und junge Erwachsene bei der Bewerbung um betriebliche Ausbildungsstellen aufgrund ihres Körpergewichts benachteiligt werden. Daher suche ich Personen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren mit hohem Körpergewicht, die sich in der Ausbildungssuche befinden oder noch bis vor kurzem befunden haben, um mit ihnen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Das Gespräch wird in Interviewform durchgeführt, entweder persönlich oder telefonisch und dauert ungefähr eine bis anderthalb Stunden. Alle Gesprächsinhalte werden komplett anonymisiert, sodass kein Rückschluss auf die Person möglich ist.
Wenn Sie sich persönlich oder jemanden in Ihrem privaten Umfeld angesprochen fühlen, freue ich mich über eine Rückmeldung.

Zu meiner Person: Ich studiere im dritten Jahr an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit im Studiengang „Beschäftigungsorientierte Beratung und Fallmanagement“ (neu: „Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung“), bin vierzig Jahre alt und ein Mensch mit hohem Körpergewicht. Da ich selbst und auch Personen in meinem Umfeld entsprechende Erfahrungen mit Gewichtsdiskriminierung gemacht haben, habe ich mich entschieden, dies zum Thema meiner Abschlussarbeit zu machen.“

Shopping wird komfortabler: Der Handel entdeckt breite Gänge als Wettbewerbsvorteil

„Die Zukunft des Handels ist das Einkaufserlebnis“, das war klarer Konsens der Anwesenden Vertreter*innen des Handels in der gestrigen Bezirksverordnetenversammlung von Berlin Mitte. Gute Nachrichten für dicke Menschen: auf breite Gänge wird hierbei in besonderem Maße Wert gelegt. „Unsere Märkte sind heute insgesamt zwei Meter breiter bei gleicher Anzahl von Regalen“, so Jenny Stemmler von der Lidl Dienstleistung GmbH. Doch die räumliche Situation ist nur ein Faktor, der die Bummellaune beflügelt, ein weiterer, besonders entscheidender, ist das Sortiment.

Vor allem im Bereich Bekleidung hat der Handel hier die Bedürfnisse dicker Menschen bisher verschlafen. „Ein Drittel der Damenoberbekleidung wird inzwischen online erworben.“ Diese von Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg eingebrachte Zahl verwundert wenig. In den meisten Bekleidungsgeschäften ist die Auswahl ab Konfektionsgröße 50 nicht nennenswert. Der Druck durch den steigenden Anteil des Online-Handels ist damit ein Stück weit hausgemacht. Für eine Trendwende wird der ortsansässige Handel den dicken Menschen jenseits von Diät-Produkten und Shaping-Unterwäsche als Konsumenten entdecken müssen.

Weiter Informationen finden Sie in demnächst im Protokoll zur 11. öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit, Ordnungsamt und Gleichstellung – Top 4.2 Einzelhandel in Mitte vor großen Herausforderungen.

Das Theaterprojekt LET’S MEET sucht Frauen* für die dicke Perspektive

Für das Frauen* Theaterprojekt LET’S MEET werden noch Frauen* in Köln und Umgebung gesucht. Der Veranstalter, das Sommerblut Kulturfestival​, hat es sich zum Ziel gemacht, Impulse für gesellschaftliche Diskurse und Weiterentwicklungen zu geben. Grundlage der Inszenierung ist „die Bedeutung von Frau-Sein in unserer Gesellschaft“, die aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden soll. Wir würden uns freuen, wenn sich einige Frauen* finden, die hier die dicke Perspektive einbringen. Die Kennenlerntreffen finden an folgenden Terminen um 19:00 Uhr statt:

29.01.2018
05.02.2018

WiNHaus International
Dormagener Straße 5
50733 Köln

Die Proben starten Anfang Februar. Sie sind interessiert, aber haben noch Fragen? Sie erreichen das Projekt über die E-Mail-Adresse letsmeettheaterprojekt@gmail.com. Es wird in Zusammenarbeit mit DaMigra​, dem Dachverband der Migrantinnenorganisationen realisiert, mit dem wir selbst bereits für unser Projekt Die Wahlprüfsteine​ zusammengearbeitet haben.

Flyer des Frauen* Theaterprojekts LET’S MEET

Gewichtsdiskriminierung: Hürden auf dem Weg zum Widerstand

Dicke Menschen, die Diskriminierung anhand ihres Körpergewichts erfahren, setzen sich äußerst selten gegen diese zur Wehr. Das belegt die Studie „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“, die vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) durchgeführt wurde. Für das Merkmal Gewicht bleibt die Reaktion der von Diskriminierung Betroffenen deutlich häufiger aus, als beispielsweise für das Merkmal Behinderung, das durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) einen rechtlichen Diskriminierungsschutz erfährt.

Im Artikel „Eine Frage von Gewicht: Gründe für unterschiedliches Reaktionsverhalten bei erfahrener Diskriminierung“ stellt das Forschungsteam der Studie die beiden Merkmale einander gegenüber, um die Ursachen für den geringen Widerstand von Menschen mit hohem Gewicht zu identifizieren. Es werden dabei gesellschaftliche wie rechtliche Faktoren betrachtet. Der Beitrag ist Teil des 2. Bandes der IDZ-Schriftenreihe „Wissen schafft Demokratie“ und ab sofort auf der Website vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft als PDF verfügbar.

Wir freuen uns sehr, dass sich das Thema Gewichtsdiskriminierung in Deutschland zusehends im Bereich Wissenschaft und Forschung etabliert, und natürlich besonders über den Hinweis auf die Arbeit der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V. in der PDF-Version des Artikels.

Ergebnisbericht der Studie „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“ veröffentlicht

Menschen mit hohem Körpergewicht erleben Diskriminierung vor allem im Gesundheitsbereich. Diese Erfahrung aus unserer Betroffenenarbeit bestätigt der kürzlich erschienene Ergebnisbericht der Studie „Diskriminierungserfahrungen in Deutschland“. Er geht über die im 3. Bericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) bereits veröffentlichen Ergebnisse insofern hinaus, dass er das Diskriminierungserleben der Betroffenen aus den Befragungen und Fokusgruppen verstärkt in die Betrachtung miteinbezieht.

Dicke Menschen berichten vielfach davon, „dass sie nicht angemessen untersucht oder behandelt, ihre Beschwerden ausschließlich auf das Gewicht zurückgeführt und sie herabwürdigend und vorurteilsbehaftet durch Ärzt_innen und Pflegepersonal behandelt wurden.“ Sie erfahren also neben einer menschlich schlechteren Behandlung vor allem eine fachlich schlechtere. Und das in großer Zahl: Diskriminierungen anhand des Körpergewichts sind im Gesundheits- und Pflegebereich deutlich überrepräsentiert, wie die Auswertung der Betroffenenbefragung zeigt. Darüber hinaus sehen sich hochgewichtige Menschen oft einer für sie nicht geeigneten Raumsituation gegenüber. 31,1 Prozent aller im Gesundheits- und Pflegebereich erfassten Fälle, in denen Zugangsbarrieren geschildert wurden, stehen im Zusammenhang mit Gewicht. Die Studie gibt damit für Deutschland einen klaren Hinweis darauf, dass eine hochqualitative gesundheitliche Versorgung für dicke Menschen nicht gewährleistet ist.

Körpergewicht wurde weder in der repräsentativen Telefonbefragung noch in der online durchgeführten Betroffenenbefragen der Studie als eigener auswählbarer Punkt angeboten. Dennoch wurden allein in der Betroffenenbefragung 634 Diskriminierungserfahrungen geschildert, die mit Körpergewicht verknüpft waren. Das Forschungsteam vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung/BIM sieht daher den Gesetzgeber gefordert: „Die vielen Diskriminierungserfahrungen, die Personen anhand äußerlicher Merkmale, insbesondere anhand des Gewichts, erlebt haben, belegen den dringenden Handlungsbedarf, für diese Personen eine Möglichkeit zu schaffen, sich gegen ihre Diskriminierungserfahrungen zur Wehr zu setzen. Um diesen Personen auch Schutz gegen Diskriminierung zu bieten, sollten die im AGG geschützten Merkmale um äußerliche Merkmale ergänzt werden.“

Dieser Forderung schließen wir uns ausdrücklich an und werden auch 2018 mit Projekten wie in diesem Jahr „Die Wahlprüfsteine“ auf eine Erweiterung des AGG hinwirken.

Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM)
Diskriminierungserfahrungen in Deutschland – Ergebnisse einer Repräsentativ- und einer Betroffenenbefragung

Bundestagswahl 2017
Unsere Wahlprüfsteine zum Thema Gewicht

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