Dissertationsprojekte

Bisher nur eins, aber immerhin...

Genealogie des dicken Körpers in der englischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts - Körperwissen und Körperwirklichkeiten

von Stephanie von Liebenstein

Abstract:

Die Arbeit zielt auf eine genealogische Analyse der Konstruktionen von Körperwissen und Körperwirklichkeiten um den dicken Körper in der englischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum lassen sich zwei Umschwünge in der Perspektive auf den Körper diagnostizieren, nämlich erstens den Übergang von einer mittelalterlichen, religiös-allegorischen Herangehensweise an den Körper zu einer stärker individualisierenden, durch humanistische Wissensbegriffe geprägten im Merry Old England des 16. Jahrhunderts; und zweitens von dieser zur humanistische Positionen in Frage stellenden, auf den rationalistischen Ansatz der New Science bauenden, puritanisch geprägten des 17. Jahrhunderts.
Die Arbeit nähert sich diesen verschiedenen Körperkonzeptionen auf der kulturwissenschaftlichen Ebene, indem sie die Wahrnehmung und Interpretation spezifischer körperlicher Phänomene als „dick“ („fat“) als untrennbar verbunden mit verschiedenen sozialen, historischen, wissenschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen begreift, ja sogar davon ausgeht, dass es diese Rahmenbedingungen sind, die „fatness“ als Gegenstand eines Wissens über Körper überhaupt erst produzieren.
Untersucht werden soll, wie und warum „fatness“ in verschiedenen literarischen  Narrativen aufgerufen wird, an welchen philosophischen, wissenschaftlichen, theologischen, sozialen und politischen Diskursen diese Texte teilnehmen und wie sie, indem sie dicke Körper mit diesen Diskursen verknüpfen, Körperwissen und Körperwirklichkeiten produzieren.
Ausgehend von einer durch Foucault beeinflussten „genealogischen“ Perspektive und einer durch den New Historicism geprägten Herangehensweise an die Epoche, nimmt die Arbeit Einsichten aus anderen theoretischen Richtungen auf, z.B. den Disability Studies, der Postcolonial Theory und den Queer Studies.
Eine Untersuchung der Diskurse um „fatness“ in der frühen Neuzeit öffnet das Feld nicht nur für ein umfassenderes Verständnis des Wissens vom Körper im untersuchten Zeitraum, sondern weist eine kulturgeschichtliche Perspektive auf auch für derzeitige Konstruktionen dicker Körper. Schließlich hilft die Arbeit, die Fragwürdigkeit der Kategorie „fatness“ an und für sich herauszuarbeiten und zu zeigen, inwiefern Diskurse um „fatness“ Teil eines noch heute anhaltenden kulturellen Dialogs sind, der in der frühen Neuzeit seinen Ausgang nimmt.

Sollten Sie Interesse an den Details des Projekts haben, treten Sie mit uns in Kontakt über infogewichtsdiskriminierung.de

Fragen?

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen: FAQ.