FAQ - Häufige Fragen

Diskriminierung ist die soziale Benachteiligung von Menschen wegen gruppenspezifischer Merkmale, z.B. aufgrund ihres Gewichts. Sie gründet in Vorurteilen, die unberechtigterweise oder ohne ausreichendes Wissen über den Sachverhalt zustande kommen. In ihrer extremen Form wird Diskriminierung zu Fanatismus, definiert als starrsinniges und unvernünftiges Festhalten an einer bestimmten Meinung, die von Intoleranz gegenüber ihr entgegenstehenden Meinungen begleitet wird. Wenn das gruppenspezifische Merkmal, von dem oben die Rede war, Kleidergröße und Gewicht ist, dann spricht man von Gewichtsdiskriminierung oder Gewichtsfanatismus.

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Ja. Dicke Menschen sind in unserer Gesellschaft tagtäglich diskriminierenden Einstellungen ausgesetzt und haben in vielen Bereichen ihres Lebens nicht die gleichen Chancen wie dünne. Hier einige Aspekte dessen:

  • Vervolkswirtschaftlichung des Blicks auf den dicken Körper: „Dein Körper ist meine Angelegenheit.“ Spätestens seit die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast das Thema zur Chefsache erklärt hat, wird verstärkt staatlich interveniert gegen die sog. „Adipositas-Epidemie“, z.B. durch Seehofers „Nationalen Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht“ vom Mai 2007.

    - In Schleswig-Holstein werden Kindergartenkinder seit 2006 zweimal jährlich gewogen und auf ihre Sportlichkeit getestet. Gleichzeitig werden ErzieherInnen und Eltern zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Kinder befragt, so dass die Eltern von Kindern, die auffällig werden, erfasst und beraten werden können. Kinder, deren Gewicht die 90er Perzentile überschreitet, werden an Hilfeangebote weitervermittelt.1

    - An Modellschulen in England werden Essensauswahl und Kalorienzufuhr der Kinder per Fingerabdruck gespeichert, um die Eltern über das Ernährungsverhalten ihrer Kinder informiert zu halten.2

    - In Singapur müssen übergewichtige Kinder zusätzliche Sportkurse belegen.3

    - Einführung von „Junk-Food-Bannmeilen“ in Großbritannien.4

    - In Mississippi, USA, wurde im Feb. 2008 ein Gesetzesentwurf eingereicht, der Gastwirten die Bewirtung von Menschen über einem BMI von 30 verbieten soll.5

All das führt zu einem steigenden Alarmismus auf relativ dünner wissenschaftlicher Basis und zu einer Verschärfung des „Problem“bewusstseins bei einer ohnehin schon weitgehend dickenfeindlichen Bevölkerung. Dadurch werden weitere Gesundheitsrisiken produziert, die schon zum heutigen Zeitpunkt durch die Stigmatisierung dicker Menschen verursacht werden (z.B. der Einfluss des Stresshormons Cortisol aufs Gewicht und auf damit assoziierte Erkrankungen, die schlechtere medizinische Versorgung von dicken Menschen, eingeschränke Sportmöglichkeiten dicker Menschen, durch soziale Ausgrenzung und Stress verursachte psychische Erkrankungen etc.).

  • Verbeamtung: Menschen mit einem BMI über 30 werden in Deutschland in der Regel nicht verbeamtet, egal wie gesund sie sind, und das, obwohl rational und auf der Basis von Fakten nicht argumentiert werden kann, dass selbst extrem dicke Menschen ein nennenswert erhöhtes Risiko hätten, das Rentenalter nicht zu erreichen. Menschen mit Erkrankungen, die objektiv ein wesentlich höheres Risiko tragen, werden in der Regel problemlos verbeamtet. Mehr Informationen dazu hier.
  • Medizinische Behandlung. Ärzte neigen bislang noch zu sehr dazu, jedes gesundheitliche Problem auf das Übergewicht des Patienten zu reduzieren, und übersehen dabei die eigentlichen Ursachen der Erkrankung; oft steht kein geeignetes Gerät zur Untersuchung von dicken Menschen bereit, beispielsweise keine ausreichend weite Manschette zum Blutdruckmessen; wegen der persönlich oft respektlosen Behandlung (beim Frauenarzt: „Sie fasst ja wahrscheinlich eh kein Mann an“ etc.) gehen Dicke vielfach nur zum Arzt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, und bekommen dadurch nachweislich eine schlechtere medizinische Versorgung als Dünne. In Studien wird zunehmend die Vermutung geäußert, dass diese mangelnde Versorgung das gesundheitliche Risiko, das der Adipositas zugeschrieben wird, „begünstigt, wenn nicht gar hervorruft“. Mehr dazu hier.
  • Versicherungen. Dicken Menschen wird zum Teil systematisch die private Krankenversicherung und Lebensversicherung verweigert, oder sie werden gezwungen, höhere Prämien als Dünne zu zahlen.
  • Gewichtsdiskriminierung bei der Arbeitssuche und im Job. Tatsache ist, dass dicke Menschen bei gleicher Qualifikation und in gleicher Position deutlich schlechter bezahlt werden als dünne. Arbeitgeber haben oft große Hemmungen, dicke Menschen einzustellen, besonders, wenn die Stelle körperliche Arbeit oder Interaktion mit der Öffentlichkeit beinhaltet. Oft werden dicke Menschen wegen ihres Gewichts von ihren Arbeitgebern schikaniert, unter ihren Fähigkeiten eingesetzt, versetzt oder gefeuert wegen expliziter oder impliziter Vorurteile gegen ihr Gewicht. Siehe auch unsere Informationen hier.
  • Partnersuche. Dicke Menschen haben es erheblich schwerer, einen geeigneten Partner zu finden, und sind seltener verheiratet als dünne Menschen. In praktisch jeder Kontaktanzeige wird die Unerwünschtheit von dicken „Bewerbern“ explizit thematisiert. Männer, die dicke Frauen mögen, werden oft als pervers oder sonstwie neurotisch („Mutterkonflikte“ etc.), als niedrig im „Marktwert“ oder bestenfalls als wenig modebewusst und ehrgeizig eingestuft, denn welcher Mann mit Ambitionen zum Manager will sich vom Image des dicken sozialen Abstiegs infizieren lassen.
  • Öffentliche Einrichtungen. Dicke Menschen sind tagtäglich unzähligen Momenten ausgesetzt, in denen ihnen vermittelt wird, dass sie eigentlich nicht erwünscht sind. Das fängt morgens in der U-Bahn an, wenn die Sitze wieder zu eng sind, geht über die Sitze in Theater oder Restaurant und endet bei Flugzeugsitzen, Drehtüren, engen Wendeltreppen und öffentlichen Toiletten, die für dicke Menschen zum Teil nicht benutzbar sind. Weitere Informationen finden Sie auch hier und hier.
  • Adoptionsrecht. Die chinesische Regierung verbietet seit Mai 2007 dicken Ausländern, chinesische Kinder zu adoptieren. In den USA wird dicken Menschen die Adoption meist systematisch verweigert.6
  • In den USA häufen sich die Fälle, in denen dicke Kinder ihren Eltern von den Behörden weggenommen werden, da die Schuld für deren Gewicht bei der Familie gesucht wird.
  • Die Einwanderung nach Neuseeland ist auf dünne Menschen beschränkt. So ist bei Frauen ein max. Taillenmaß von 88 cm erlaubt.7
  • Wohnungssuche. Vermieter, Wohnungs- und Grundstücksmakler weigern sich oft, an dicke Menschen zu vermieten oder zeigen ihnen schlechtere Wohnungen als ihren dünnen Klienten, weil viele Vermieter keine dicken Leute im Haus haben wollen.
  • Die Medien: Die Mehrzahl der Bücher, die sich mit „Gewicht“ beschäftigen, propagiert Abnehmen um jeden Preis, thematisiert Dicke im Zusammenhang mit ihren vermeintlichen neurotischen Bedürfnissen, ihrer vermeintlichen Verleugnung der wahren Situation, ihrem Elend und ihrem Versagen. Die Tatsache, dass die Probleme, die dicke Menschen haben, sehr oft von ihrer gesellschaftlichen Behandlung herrühren, wird wenn, dann nur am Rande erwähnt. Die „Schuld“ für die Probleme des dicken Menschen werden zu einem großen Teil bei ihm selbst gesucht, bei seiner mangelnden Disziplin, bei seinem niedrigen Informationsstand, bei seiner neurotischen Psyche.
  • Im Fernsehen werden dicke Menschen in der Regel entweder in asexuellen Rollen gezeigt (z.B. die Rollen von Ottfried Fischer), als mehr oder weniger verabscheuungswürdige Randgruppe dargestellt (z.B. in „Mein großer dicker peinlicher Verlobter“ mit Tetje Mierendorf) oder als Problem diskutiert. Nur selten hat eine dicke Person in einem Film eine romantische Hauptrolle, und wenn, dann sind das eher Männer. Generell akzeptiert das Fernsehen dicke Männer eher als dicke Frauen. Nur selten wird das Dicksein einer dicken Person im Fernsehen nicht direkt oder indirekt als negativ besetztes Symbol gebraucht und thematisiert; positive Beispiele sind, wenn man vom Titel absieht, „Der Dicke“ mit Dieter Pfaff oder „Weibsbilder“.
  • In der Presse werden Informationen zum Thema „Übergewicht“ in schöner Regelmäßigkeit verzerrt oder falsch dargestellt (z.B. die II. deutsche Verzehrsstudie von Jan. 2008: Die Presse überschlug sich mit dickenfeindlichen Stellungnahmen, die Stuttgarter Zeitung titelte z.B. „Bildung macht schlank. Dicke unterschätzen die Risiken des Übergewichts“, obwohl die Studie selbst keine dieser Behauptungen auch nur annähernd unterstützt.) Auffällig ist auch, dass trotz sich häufender gegenteiliger Forschungsergebnisse fast ausschließlich die vermeintlichen verheerenden Folgen des Übergewichts dargestellt werden, selten (aber glücklicherweise mit steigender Tendenz) die Tatsache, dass die Risiken des Übergewichts grob überschätzt werden.
  • Gewichtsdiskriminierung hat viele Gesichter. Von der dicken Frau, die wegen ihres Gewichts nicht in einen Chor aufgenommen wurde, von dem dicken Paar, das wegen seines Gewichts kein Kind adoptieren durfte bis hin zu dem dicken Mann, der seine Fitnessstudio-Mitgliedschaft gekündigt bekam, weil Kunden sich beschwert hatten, dass sie seinen Körper abstoßend fänden.
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Nein. Es handelt sich hier um Stereotype, die benutzt werden, um die Vorurteile gegen und die Diskriminierung von dicken Menschen zu rechtfertigen. Dieselben Stereotype wurden auch schon gegen Schwule, Roma und Sinti, Türken und Schwarze und andere Gruppen verwendet, die man ausgrenzen und diskriminieren wollte. Menschen jeder Kleidergröße, Klasse und ethnischen Zugehörigkeit haben positive und negative Eigenschaften. Manche Leute haben Charakterzüge, die man ablehnen mag, aber es ist nicht gerechtfertigt, eine ganze Gruppe von Menschen auf der Basis eines Stereotyps zu verurteilen, nur weil es hier und da einzelne gibt, die sich so oder so verhalten.

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Ein Arbeitgeber kann darauf bestehen, dass ein Bewerber für die Stelle qualifiziert, sympathisch und von angenehmer Erscheinung ist, aber jedes Auswahlkriterium, das eine ganze Gruppe von Menschen ausschließt - Schwarze, Menschen mit Behinderungen oder dicke Menschen - ist nicht berechtigt.

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Das einzig gültige Kriterium für die Bewertung von Leistung, Gehaltserhöhungen, Beförderungen, Disziplinarmaßnahmen, Versetzung oder Entlassung ist die Leistung eines Angestellten. Wenn ein Arbeitgeber meint, das Gewicht eines seiner Angestellten hindere dessen Befähigung, seine Arbeit gut zu machen, sollte er das mit dem Angestellten besprechen und dann einen Entschluss fassen. Er sollte kein Urteil über die Befähigung der Person treffen, das nur auf ihrem Gewicht beruht.

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Arbeitgeber haben das Recht, einen Fitnesstest zu verlangen, wenn es um eine Stelle geht, die Kraft, Beweglichkeit oder Ausdauer erfordert. Wenn es bei der Position z.B. darum geht, einen Feuerwehrschlauch eine Leiter hinaufzutragen, kann und sollte das Vorstellungsgespräch eine Simulation dieser Situation beinhalten. Wenn der Bewerber diese Aufgabe zur Zufriedenheit des Arbeitgebers bewältigt, sollte es gleichgültig sein, wie viel der Bewerber wiegt. Umgekehrt ist ein dünner Bewerber nicht unbedingt körperlich fit oder in der Lage, einen körperlich anstrengenden Job gut zu machen.

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Arbeitgeber können darauf bestehen, dass Angestellte in repräsentativen Positionen gepflegt, angemessen gekleidet und von angenehmem Auftreten sind. Allerdings ist es falsch anzunehmen, dass dicke Leute nicht in der Lage wären, eine repräsentative Rolle einzunehmen. Denken wir an RTL-Moderatorin Tine Wittler: Sie ist charmant, einnehmend, gutaussehend, beliebt und sehr im Umgang mit Menschen. Ganz offensichtlich wäre sie sehr geeignet für jede Position, die Kundenkontakt oder Repräsentation erfordert.

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Diese Frage kam in die Schlagzeilen wegen der notorisch engen Sitze in Flugzeugen und eines Gerichtsverfahrens, in dem eine dicke Person eine Fluglinie verklagte, weil diese sie zwang, zwei Sitze zu buchen. Fluglinien und z.B. die Deutsche Bahn verkaufen keine Tickets für so und so viele Zentimeter Platz. Sie verkaufen Tickets für eine Fahrt/einen Flug für eine Person von einem Ort zum nächsten. Wenn sie sich nicht der irreführenden Werbung schuldig machen wollen, müssen sie diese Dienstleistung auch erbringen. Sollten sie ihre Strategie ändern und von nun an Zentimeter verkaufen, müssen sie konsequenterweise besonders kleinen, dünnen Menschen und Kindern Rabatt gewähren. Eine eingehende Diskussion dieses Problems und weitere Argumente finden Sie hier.

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Ja, die Statistiken des Statistischen Bundesamts zeigen, dass das Durchschnittsgewicht der Deutschen steigt. Gründe dafür siehe hier.

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Das steigende Durchschnittsgewicht der Deutschen hat nur zum Teil mit wachsenden Bäuchen zu tun. Zwei wesentliche Faktoren sind das steigende Durchschnittsalter der Deutschen (ältere Menschen sind im Durchschnitt dicker) und die zunehmende Einwanderung nach Deutschland (Menschen mit Migrationshintergrund sind im Durchschnitt - schon genetisch - dicker). Siehe dazu auch hier.

Ernährung und Sport sind für das Körpergewicht zwar ein Faktor, allerdings nur ein wenig einflussreicher. Der stärkste Faktor ist der genetische (das Körpergewicht eines Menschen - das ist inzwischen klar erwiesen - ist zwischen 50 und 80% genetisch bestimmt10). Weitere Faktoren scheinen zu sein: Das Niveau des Stresshormons Cortisol im Blut (beeinflusst durch sozialen - und anderen - Stress, aber auch durch übermäßiges Fernsehen), tägliche Dauer und Stärke von Lichteinfall ins Auge, Anzahl, Dauer und Intensität der bisher gemachten Abnehmversuche (je mehr, desto dicker), Nahrungsmittelzusatzstoffe und Hormone (Verheiratete sind z.B. aus hormonellen Gründen im Durchschnitt dicker).11 Durch reine Erhöhung der Kalorienzufuhr und Bewegungsmangel sein Körpergewicht um mehr als 10% zu heben, ist praktisch unmöglich.17 (Und das gilt auch in die andere Richtung.)

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Manchmal. Manche dicke Menschen kämpfen mit gesundheitlichen Problemen, aber die meisten dicken Menschen sind - wie auch dünne - ziemlich gesund.

  • Eins vorweg: Bei diesem Thema muss natürlich auf Studien und Statistiken zurückgegriffen werden, mit bloßen Intuitionen kommen wir hier nicht weiter. Wenn Sie sich über medizinische Aspekte des Dickseins informieren möchten, achten Sie in jedem Fall darauf, dass Ihre Quellen hochseriös sind (am besten unabhängig finanziert und von Regierungsorganisationen herausgegeben). Studien, die von der Fitness- und Diätindustrie (z.B. den Weight Watchers) finanziert oder mitfinanziert wurden, sollten Sie immer skeptisch hinterfragen. Bei jeder Studie gilt: Lesen Sie nicht nur die Zusammenfassung, sondern befassen Sie sich ausführlich mit den tatsächlichen Ergebnissen! Wenn Sie tiefer einsteigen möchten, besorgen Sie sich ein gutes Einführungsbuch in die Statistik, um sich über den Umgang mit Statistiken und Studien zu informieren.
  • Hier ein paar Zahlen: Laut den Sterbetafeln des Statistischen Bundesamtes hat eine 30- bis 39-jährige Frau mit einem BMI von 36 bis 40 (Adipositas II. Grades) ein halb so hohes Mortalitätsrisiko wie der durchschnittliche ostdeutsche Mann desselben Alters. Auch das Krankheitsrisiko sogenannter übergewichtiger Frauen ist keineswegs messbar erhöht. So sind nach den Ergebnissen des jüngsten Mikrozensus 9% der 18- bis 40-jährigen Frauen mit einem BMI über 30 krank, im Vergleich zu 9,2% bei normalgewichtigen Frauen derselben Altersgruppe. Nach einer Studie des Public Health Institutes (eine US-Regierungs­einrichtung, also nicht von der Industrie finanziert) in Berkeley, Kalifornien, haben Frauen mit einem BMI von 30 bis 35 (Adipositas I. Grades) die geringste Sterblichkeit von allen Gewichtsklassen überhaupt, erst ab einem BMI von 35 erhöhte sich die Sterblichkeit wieder etwas. Dabei gilt, dass Frauen ein hohes Körpergewicht grundsätzlich besser zu vertragen scheinen als Männer. Weitere Informationen und Nachweise hier.
  • Zu Herz-Kreislauferkrankungen: Keine einzige validierte Studie aus jüngerer Zeit konnte bislang einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Übergewicht/Adipositas und einem erhöhten Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachweisen. Dagegen finden sich zahlreiche Studien, die eine gegenteilige Tendenz aufzeigen. Weitere Informationen und Nachweise hier.
  • Diabetes: Dicke Menschen sind tatsächlich öfter von Diabetes betroffen als dünne, d.h. unter 100 dicken Menschen gibt es mehr Diabetiker als unter 100 dünnen. Es liegt also eine Korrelation vor zwischen Dicksein und Diabetes. Das bedeutet allerdings nicht, dass Dicksein Diabetes auslöst. Eine Korrelation ist etwas anderes als ein kausaler Zusammenhang. Die Hinweise häufen sich, dass Diabetes und ein hohes Körpergewicht eine gemeinsame Ursache haben. Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.
  • Das Risiko für andere schwere Erkankungen, die mit Adipositas in Verbindung gebracht werden, ist bei genauer Betrachtung deutlich geringer als allgemein angenommen, in keinem Fall aber besonders besorgniserregend. Siehe auch hier.
  • Selbst wenn Übergewicht/Adipositas mit einem erhöhten Gesundheitsrisiko einherginge, ist es keinesfalls selbstverständlich, dass die Reduktion des Gewichts gesundheitliche Vorteile bringt. Zahlreiche Studien weisen in genau die gegenteilige Richtung.8 Erwiesen ist außerdem, dass jede Form der willentlich herbeigeführten Kalorienreduktion bei ca. 95% der Menschen langfristig nicht zum Gewichtsverlust, sondern zur Gewichtszunahme führt.8

Einseitige Ernährung und Bewegungsmangel scheinen jedoch tatsächlich ungesund zu sein. Das gilt gleichermaßen für Dicke wie für Dünne.

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Wenn es bei der Gewichtsdiskriminierung nicht um Gesundheit geht, worum geht es dann?

Kern des Problem ist der unspezifische Hass, der dicken Menschen von überall her entgegenschlägt. Schon Kindergartenkinder möchten lieber mit behinderten Kindern befreundet sein als mit dicken. Fünfjährige würden sich lieber einen Arm abschneiden, als dick zu sein. Für amerikanische College-Studenten, so eine Umfrage, wären Drogensüchtige oder Ladendiebe als Heiratspartner durchweg akzeptabler als Dicke.9

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Dicke Menschen werden oft als moralisch minderwertig empfunden, als faul, dumm, verfressen, dreckig, ekelhaft, krank, sie nehmen sich – so das öffentliche Empfinden – „ein zu großes Stück vom Kuchen“ (der Gemeinschaft), sind sozial unverantwortlich, sozial minderwertig und vor allem: an ihrer Situation selbst schuld. Je mehr ein Mensch glaubt, dass dicke Menschen ihr Gewicht selbst verursacht haben, desto wahrscheinlicher ist es, dass er die Diskriminierung von Dicken befürwortet.

(Tatsache ist allerdings, dass 50-80% des Gewichts genetisch bedingt sind10. Weitere Faktoren scheinen der Spiegel des Stresshormons Cortisol im Blut, Licht, Schlaf, Hormone, Nahrungsmittelzusatzstoffe, die Zahl der schon gemachten Diäten etc. zu sein. Die Ernährung spielt dagegen eine eher untergeordnete Rolle11. Merke auch: Dicke Menschen sind nicht häufiger als dünne essgestört!)


Ein wichtiger Faktor sind dabei auch (meist unzulässige und schlecht belegte) Schlüsse vom Äußeren eines Menschen auf sein Inneres, z.B. auf Charaktereigenschaften, psychische Eigenschaften, Meinungen oder Haltungen zur Welt. Darunter fallen Äußerungen wie „Dicke sind faul“ oder „Dicke sind dick, weil sie nicht genug Sex bekommen“ oder „weil ihre Mutter zu stark war“ oder „weil sie psychische Probleme haben“ oder „dicke Frauen sind dominant“ etc. Hier zeigen sich ähnliche Strukturen wie in der Schwulendebatte der 80er Jahre oder in rassistischen Diskursen („Schwarze sind emotionaler, wollen mehr Sex, haben den Rhythmus im Blut“ etc.). – Dabei fällt auf, dass die ausgegrenzte Gruppe immer in der Subjektposition ist, der verschiedene, sich teilweise widersprechende Prädikate zugesprochen werden. Die ausgegrenzte Gruppe wird zum Untersuchungs-gegenstand, zum „Anderen“, das aus der Perspektive des „Selbst“ untersucht wird. Das „Selbst“ wird dabei nicht hinterfragt (z.B. wird nicht die Frage gestellt „Warum sind dünne Leute dünn“, sondern ausschließlich „Warum sind dicke Leute dick“.) Dies ist die Grundstruktur von diskriminierenden Diskursen.

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Nein. Das steigende Durchschnittsgewicht ist nämlich erstens aus verschiedenen Gründen sehr wenig bedrohlich, und zweitens haben Abnehmkampagnen (auch die der Bundesregierung) oft gravierende negative Folgen.

Die Gründe für das steigende Durchschnittsgewicht haben nicht nur mit wachsenden Bäuchen zu tun, sondern erstens mit dem steigenden Lebensalter der Deutschen (alte Menschen sind im Durchschnitt erheblich dicker als dünne) und zweitens mit der zunehmenden Einwanderung nach Deutschland (Menschen mit Migrationshintergrund sind im Durchschnitt - schon genetisch - dicker als deutschstämmige). Wenn es also mehr alte Menschen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland gibt, steigt logischerweise das Durchschnittsgewicht. Beides - das steigende Durchschnittsalter wie die zunehmende Einwanderung - sind Dinge, die wir eher positiv sehen.

Weiterhin sind die vermeintlichen gesundheitlichen Folgen des Übergewichts weit weniger gravierend als allgemein angenommen. Siehe dazu "Ist Dicksein nicht furchtbar ungesund?".

Die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen des Versuchs, die Deutschen dünner zu machen, stehen hingegen in keinem Verhältnis zur realen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Bedrohung durch Übergewicht/Adipositas:

  • Die Stigmatisierung von Dicken gefährdet unser aller Gesundheit. Der soziale Druck, nicht dick zu werden bzw. dünn zu werden, führt fast zwangsläufig zu Praktiken, die potentiell – und in manchen Fällen sicher – gesundheitsschädlich sind. Die Manipulation unseres natürlichen Essverhaltens durch immer neue, vermeintlich „gesunde“ oder „schlank machende“ Ernährungsweisen und die willentliche Reduktion von verzehrten Kalorien können unabsehbare gesundheitliche Folgen haben. Fettreduzierte Produkte z.B. stehen im begründeten Verdacht, extrem ungesund zu sein, künstlich herbeigeführte Hungersnöte erhöhen das Herzinfarktrisiko12 und künstlich gesüßte Lebensmittel sind in ihrer Langzeitwirkung auf den Körper nicht nur noch zu wenig untersucht, sondern machen zu allem Überfluss nicht dünn, sondern werden als Mastmittel für Kühe eingesetzt. Was Schlankheitspillen und Operationen zur Gewichtsreduktion schon angerichtet haben, wagt man gar nicht zu erwähnen. Zusätzlich gilt, dass eine Fixierung auf ein bestimmtes Gesundheitsziel das Risiko erhöht, die Krankheit, die man vermeiden möchte, zu bekommen13. Eine zu große Gesundheitshysterie wäre damit geradezu kontraproduktiv.
  • Die Stigmatisierung von Dicken führt zu erhöhten volkswirtschaftlichen Kosten. Die Überbewertung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts führt neben den Kosten, die die Vermeidung des Übergewichts verursacht, zu einer Flut von unnötigen Verschreibungen und Therapien, die einzig dem Ziel dienen, einen dicken Menschen schlank zu machen, ansonsten aber keinen gesundheitlichen Mehrwert bringen. Die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen von Diäten und des Jojo-Effekts, die allein schon für viele der mit Adipositas assoziierten Risiken verantwortlich sein könnten14, wären vermeidbar, wenn mit dem Thema „Gewicht“ verantwortungsvoll umgegangen würde.
  • Nicht zuletzt führt die Schlankheitshysterie zu massiven Körperbildproblemen und Essstörungen bei einer steigenden Anzahl von Menschen, nicht nur bei Jugendlichen. Versuche abzunehmen können allein schon die Basis für eine Essstörung bilden. Gelegentlich moderat Diät haltende Mädchen hatten nach einer australischen Studie15 mit knapp 2000 Jugendlichen ein fünfmal so hohes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln, wie Mädchen, die sich über ihre Ernährung keine Gedanken machten. Bei den streng Diät haltenden war das Risiko 18mal so hoch. Dabei ist erwiesen, dass psychologische Faktoren nur zum Teil für diese Essstörungen verantwortlich sind: Mäuse, die man auf Diät setzte und denen man ein Laufrad anbot, sparten nicht etwa durch Inaktivität Kalorien, sondern entwickelten einen so ungesunden Bewegungs­drang, dass sich nach wenigen Wochen zwei Drittel zu Tode gejoggt hatten16.
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Aussagekräftige Daten zu dieser Frage gibt es aus Großbritannien, das wir hier einmal als Beispiel nehmen wollen. Großbritanniens National Audit Office (NAO) berichtet, dass Adipositas das Land jährlich 500 Mill. britische Pfund (ca. 750 Mill. EUR) kostet. Diese Zahl kommt durch die Auswertung verschiedener Studien, die Adipositas mit bestimmten Krankheiten in Verbindung bringen, zustande. Die Zahl der dicken Menschen, die diese Krankheiten haben, werden mit den Durchschnittskosten für die Behandlung eines Menschen multipliziert. So erhält man die Gesamtkosten für die Behandlung dicker Menschen insgesamt.

Unglücklicherweise wird dabei völlig außer acht gelassen, dass nicht nur dicke Menschen krank werden, sondern auch dünne. Wieviele Kosten dünne Menschen im Vergleich kosten, wird leider nicht genannt. Bei dicken Menschen wird die Schuld für eine Erkrankung zudem meist auf das Körperfett geschoben statt auf die viel wahrscheinlichere Kombination von Genen, Umweltfaktoren, Stress und das individuelle Fitness-Level. Mit anderen Worten, diese Zahl basiert praktisch ausschließlich auf der falschen Annahme, dass Korrelation dasselbe ist wie Kausation und dass die behandelte Krankheit nicht entstanden wäre, wenn man das Übergewicht beseitigen würde. Zudem weist viel darauf hin, dass dicke Menschen nur unwesentlich häufiger erkranken als dünne (siehe auch hier), dass ein höherer BMI im Gegenteil oft die Chancen erhöht, eine lebensbedrohliche Krankheit zu überleben.

Nach den Zahlen des National Health Service wird jährlich 47,5 Millionen Pfund für verschreibungspflichtige Medikamente zur Gewichtsreduktion ausgegeben. Das entspricht einer achtfachen Steigerung seit 1999. Zusätzlich meldet die britische Obesity Surgery Patient Association (eine Patientenvereinigung für Menschen, die Operationen zur Gewichtsreduktion haben an sich vornehmen lassen) durchschnittlich 10.000 solcher Operationen jährlich allein in Großbritannien. Eine einzige davon kostet durchschnittlich 10.000 britische Pfund (ca. 15.000 EUR).  Wenn man die daraus entstehenden Komplikationen hinzurechnet, bedeutet das, dass Großbritannien jährlich ca. 116 Millionen Pfund für Operationen zur Gewichtsreduktion ausgibt. Mindestens 160,5 Millionen Pfund gehen jährlich an lokale und nationale Anti-Adipositas-Programme.

Das sind bisher 324 Millionen Pfund, Fernsehaufklärungsspots der Regierung, vom NHS getragene Ernährungsberatung und die Kosten für Kampagnen wie die "Junk-Food-Bannmeile" um Schulen, Lebensmittelampeln und Mittagessen-Überwachungssysteme in Schulen nicht mitgerechnet.

Mit anderen Worten: Die britische Regierung gibt jährlich mindestens 324 Millionen Pfund - das sind 486 Millionen EUR - für den (bislang wenig erfolgreichen) Versuch aus, die britische Bevölkerung dünn zu machen. 

Unvorstellbar, was man mit diesem Betrag bewirken könnte, wenn man nicht in Dickenhass, sondern z.B. in "Rund-und-Gesund"-Ansätze investieren würde.

 

Andererseits gibt es auch Studien, die von der Grundannahme ausgehen, dass dicke Menschen tatsächlich kränker sind und deutlich früher sterben als dünne. Ironischerweise sind es gerade diese Studien, die zum Ergebnis haben, dass dicke (und am besten noch rauchende) Menschen das Gesundheitssystem erheblich weniger belasten als dünne (und evtl. sogar nichtrauchende).18

 

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Das „warum“ einer Sache – und das gilt auch für die Gewichtsdiskriminierung – ist immer wesentlich schwieriger zu beantworten als das „was“. Es gibt zu dem Thema folgende berechtigte Vermutungen:

  • Die Fitness- und Diätindustrie, die in den USA z.B. ein wirtschaftliches Volumen von 40 Milliarden Dollar hat, hat auch hierzulande einen erheblichen Einfluss auf die Medien (z.B. als Anzeigenkunde oder Sponsor) und deren Darstellung von dicken Körpern. Es liegt schlicht in ihrem wirtschaftlichem Interesse, einer möglichst großen Anzahl von Menschen ein möglichst schlechtes Körpergefühl zu vermitteln, damit das Bedürfnis nach „Verbesserung“ in Form von Diätprodukten, Fitnessgeräten etc. wächst. Diese Position vertritt u.a. der Ernährungsexperte Udo Pollmer.
  • Schlankheitswahn als sozialer Abgrenzungsversuch und Selbstbestätigungsversuch der gehobenen Mittelschicht. Armut wird in Form von Körperfett symbolisch bekämpft. Diese These vertritt u.a. Novo-Redakteur Thilo Spahl.
  • Dickenfeindlichkeit als Verteidigung von „Natürlichkeit“. Dieser Punkt wird oft begleitet vom letzten Punkt, nämlich einem Abgrenzungsversuch der gehobenen Mittelschicht. Besonders im postmaterialistischen Milieu (z.B. unter Grünen-Anhängern und Intellektuellen), wo man sich sonst entschieden gegen jede Form von Diskriminierung wehrt, wird der dünne Körper immer noch als der von der „Natur gewollte“ missverstanden. Eine ablehnende Haltung gegenüber der Konsumgesellschaft und ein hoher Druck zu einer „gesunden“ Lebensweise verstärken das Problem.
  • Schlanksein und Gesundheit als Ersatzreligion, als Heil in einer säkularen Welt, das es mit möglichst großer Anstrengung zu erreichen gilt, auch wenn dadurch Lebenslust und Kapazitäten für das, was das Leben eigentlich wirklich ausmachen sollte, abhanden gehen. Prominent vertreten wird diese These vom Arzt, Psychologen und Theologen Manfred Lütz, der auch auf die quasi-religiöse Rhetorik hinweist, mit der im Gesundheitsdiskurs oft operiert wird („Gesundheitssünden begehen“ etc.).
  • Dickenfeindlichkeit als verdeckter Rassismus. Die Tatsache, dass der wachsende Bauchumfang der Deutschen nicht zuletzt etwas mit der wachsenden Einwanderung zu tun hat (Menschen mit Migrationshintergrund sind genetisch meist dicker, in den USA sind die Schwarzen die ethnische Gruppe mit dem höchsten BMI), macht diese Vermutung durchaus plausibel. Auch diese These wird prominent von Udo Pollmer vertreten.
  • „Fitte Wirtschaft, schlanker Staat.“ – Schlankheit als neoliberales Ideal. Dazu finden Sie mehr in Eva Kreiskys Artikel in Kreuzzug gegen Fette, hg. v. Henning Schmidt-Semisch u. Friedrich Schorb.
  • „Fat is a Feminist Issue“ – Susie Orbachs bekannte These hat nichts an Aktualität eingebüßt. Die dicke Frau als gescheitertes Sex-Objekt. Gute Frauen machen sich dünne.
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Das ist schwer zu sagen. Einerseits steigt, seitdem die ehemalige Verbraucherschutzministerin Renate Künast das Thema "Übergewicht" zur Chefsache erklärt hat, der Druck auf dicke Menschen, mit sämtlichen gesundheitlichen und sozialen Folgen nicht nur für dicke Menschen. Andererseits steigt auch die Anerkennung der Medien für die Tatsache, dass dicke Menschen diskriminiert werden und dafür, dass die gesundheitlichen Folgen des Übergewichts oft grob überschätzt und für einen kontraproduktiven Alarmismus ausgenutzt werden. Seit 2005 steigt die Zahl der Google-Treffer bei Eingabe von "dick" und "Diskriminierung" exponentiell, es werden TV-Sendungen zum Thema gebracht und die deutsche Wissenschaft nimmt das Thema langsam zur Kenntnis (z.B. Friedrich Schorb, Soziologe an der Universität Bremen, der zu dem Thema forscht). Mit steigendem Druck steigt auch der Widerstand.

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  • Für Gewichtsdiskriminierung gilt natürlich zunächst einmal das, was für Rassendiskriminierung, Geschlechtsdiskriminierung etc. auch gilt: Da wir in einer Gesellschaft leben möchten, in der Vielfalt ein positiver Wert ist, ist es für jeden einzelnen, ob selber von Diskriminierung betroffen oder nicht, untragbar, wenn es in der Gesellschaft Diskriminierung gibt; die Normierung von Menschen gilt es einzudämmen. Das hängt mit dem demokratischen Menschenbild zusammen und ist hier nicht weiter zu begründen.
  • Die Diskriminierung von Dicken hat direkte Auswirkungen auf alle an der Gesellschaft Beteiligten. Im Gegensatz zur Rassendiskriminierung oder Geschlechtsdiskriminierung, aber durchaus ähnlich wie bei der Diskriminierung von Behinderten, geht es bei der Gewichtsdiskriminierung um eine Gruppe, die potentiell unendlich erweiterbar ist; d.h., jeder einzelne in der Gesellschaft hat das Potenzial, auch einmal dick zu werden (wohingegen z.B. die Gefahr, plötzlich schwarz oder weiblich zu werden, für einen weißen Mann eher gering ist). Diese „Gefahr“ führt zu einer Verstärkung der Gewichtshysterie, denn nun gilt es, mit allen Mitteln zu verhindern, dass man selber dick wird. Die Gewichtshysterie wiederum hat eine Reihe von Nebeneffekten, die für unsere Gesellschaft als Ganze schädlich ist. Siehe folgende Punkte:
  • Die Stigmatisierung von Dicken gefährdet unser aller Gesundheit. Der soziale Druck, nicht dick zu werden bzw. dünn zu werden, führt fast zwangsläufig zu Praktiken, die potentiell – und in manchen Fällen sicher – gesundheitsschädlich sind. Die Manipulation unseres natürlichen Essverhaltens durch immer neue, vermeintlich „gesunde“ oder „schlank machende“ Ernährungsweisen und die willentliche Reduktion von verzehrten Kalorien können unabsehbare gesundheitliche Folgen haben. Fettreduzierte Produkte z.B. stehen im begründeten Verdacht, extrem ungesund zu sein, künstlich herbeigeführte Hungersnöte erhöhen das Herzinfarktrisiko12 und künstlich gesüßte Lebensmittel sind in ihrer Langzeitwirkung auf den Körper nicht nur noch zu wenig untersucht, sondern machen zu allem Überfluss nicht dünn, sondern werden als Mastmittel für Kühe eingesetzt. Was Schlankheitspillen und Operationen zur Gewichtsreduktion schon angerichtet haben, wagt man gar nicht zu erwähnen. Zusätzlich gilt, dass eine Fixierung auf ein bestimmtes Gesundheitsziel das Risiko erhöht, die Krankheit, die man vermeiden möchte, zu bekommen13. Eine zu große Gesundheitshysterie wäre damit geradezu kontraproduktiv.
  • Die Stigmatisierung von Dicken führt zu erhöhten volkswirtschaftlichen Kosten. Die Überbewertung der gesundheitlichen Risiken des Übergewichts führt neben den Kosten, die die Vermeidung des Übergewichts verursacht, zu einer Flut von unnötigen Verschreibungen und Therapien, die einzig dem Ziel dienen, einen dicken Menschen schlank zu machen, ansonsten aber keinen gesundheitlichen Mehrwert bringen. Die gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Folgen von Diäten und des Jojo-Effekts, die allein schon für viele der mit Adipositas assoziierten Risiken verantwortlich sein könnten14, wären vermeidbar, wenn mit dem Thema „Gewicht“ verantwortungsvoll umgegangen würde.
  • Nicht zuletzt führt die Schlankheitshysterie zu massiven Körperbildproblemen und Essstörungen bei einer steigenden Anzahl von Menschen, nicht nur bei Jugendlichen. Versuche abzunehmen können allein schon die Basis für eine Essstörung bilden. Gelegentlich moderat Diät haltende Mädchen hatten nach einer australischen Studie15 mit knapp 2000 Jugendlichen ein fünfmal so hohes Risiko, eine Essstörung zu entwickeln, wie Mädchen, die sich über ihre Ernährung keine Gedanken machten. Bei den streng Diät haltenden war das Risiko 18mal so hoch. Dabei ist erwiesen, dass psychologische Faktoren nur zum Teil für diese Essstörungen verantwortlich sind: Mäuse, die man auf Diät setzte und denen man ein Laufrad anbot, sparten nicht etwa durch Inaktivität Kalorien, sondern entwickelten einen so ungesunden Bewegungs­drang, dass sich nach wenigen Wochen zwei Drittel zu Tode gejoggt hatten16.

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1 OptiKids (2006)

2 Sherman, J. (2006), Schools fight fat with fingerprinting. Unhealthy eating habits could be banished as pupils have their fingers scanned at the dinner queue. In: The Times 14.6.2006.

3 Wong Maye-e (2004), Singapore takes strict steps against obesity. Overweight kids singled out for extra exercise in school. AP 5.10.2004.

4 Macmillan, A. (2006), Chips van defies schools' health drive. In: Scotland on Sunday 29.1.2006.

5 http://www.msnbc.msn.com/id/22997073/

6 Spiegel Online vom 25.12.2006.

7 http://www.oe24.at/zeitung/welt/weltchronik/article165859.ece

8 Für eine ausführliche Analyse dieses Themas und zahlreiche Nachweise siehe Pollmer, U. (2005), Esst endlich normal! Wie die Schlankheitsdiktatur die Dünnen dick und die Dicken krank macht. München. 205 ff.

9 Gaesser, Glenn A., Big Fat Lies: The truth about your weight and your health. Carlsbad, USA, 2001.

10 Siehe u.a. Hebebrand, J. et al. (2005), Genetik und Gen-Umwelt-Interaktionen. In: Adipositas bei Kindern und Jugendlichen: Grundlagen und Klinik. M. Wadisch et al. (Hg.), Berlin. 27-36.
Barsh, G.S. et al. (2000), Genetics of body-weight regulation. Nature 404:644-651.
O'Rahilly, S. et al. (2003), Minireview: human obesity-lessons from monogenic disorders. Endocinology 144:3757-3764.
Stunkard, A.J. et al. (1986), An adoption study of human obesity. N Engl J Med 314:193-198.

11 Siehe für eine ausführliche Analyse Pollmer, U. (2005), Esst endlich normal! Wie die Schlankheitsdiktatur die Dünnen dick und die Dicken krank macht. München. Besonders Kapitel 4 und 5.

12 Kennedy, Linn: The importance of body mass index and weight-change in patients
with coronary artery disease, Mai 2006.

13

14 Siehe dazu eine ausführliche Analyse in Pollmer, U. (2005), Esst endlich normal! Wie die Schlankheitsdiktatur die Dünnen dick und die Dicken krank macht. München. 190-198.

15 Patton, G.C. et al. (1999), Onset of adolescent eating disorders: population based cohort study over 3 years. Bmj 318:765-768.

16 Bergh, C., Sodersen, P. (1996), Anorexia Nervosa, self-starvation and the reward of stress. Nat Med 2:21-22; Morrow, N.S. et al. (1997), Body temperature and wheel running predict survival times in rats exposed to activity-stress. Physiol Behav 62:815-825; Doerries, L.E. et al. (1989), β-endorphin and activity-based anorexia in the rat. Annuals of the New York Academy of Sciences 595:609-610.

17 Kate Douglas: „Super size me“ revisited – under lab conditions. New Scientist, Ausgabe 2588, 27.1.2007.

18 Van Baal, P. (2008), Lifetime Medical Costs of Obesity: Prevention No Cure for Increasing Health Expenditure. In: Plos Medicine, http://medicine.plosjournals.org/perlserv/?request=get-document&doi=10.1371%2Fjournal.pmed.0050029.

 

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