Gewichtsdiskriminierung fordert Opfer. Täglich.

Wenn jemand “Fette Sau!” schreit, obwohl der nächste Bauernhof kilometerweit entfernt ist, oder “Deutsche Panzer rollen wieder!”, weil ein dicker Mensch die ansonsten leere Straße überquert, dann befinden wir uns bereits dort, wo es täglich passiert: im Alltag. Wer vom Durchschnitt in puncto Gewicht zu weit abweicht, muss hier mit Anfeindungen rechnen, die oft weit über abfällige Blicke hinaus gehen.

Die Klaviatur der Beleidigungen ist wenig einfallsreich, trotzdem reißen die geistig leeren Worthülsen Wunden, die keiner sieht, und treffen Menschen, die viele am liebsten gar nicht sehen wollen: dicke Menschen.

Ade Opferrolle, willkommen Selbstbewusstsein

Während dicke Menschen oft im Schutze der Anonymität – vor allem auch im Internet – zu Opfern gemacht werden, beweisen sie selbst täglich aufs Neue ihren Kampfgeist. Aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der ein dicker Körper als Zeichen von Dummheit und Faulheit gilt, leisten sie ein Vielfaches, um sich die Chancengleichheit und den Respekt zu erarbeiten, den man ihnen verwehrt. Sie bieten denen die Stirn, die nicht müde werden ihnen zu sagen, wie unglücklich sie doch in ihrem Körper sein müssen, und wehren sich dagegen, dass beim Arzt selbst der Schnupfen auf ihr Gewicht zurückgeführt wird.

Entsprechend groß ist meist die Verwunderung, wenn ein erfolgreicher dicker Mensch, der mit beiden Beinen im Leben steht, von den Diskriminierungen berichtet, die er erfahren hat: Reime wie “Dicke, fette Arschboulette!” schon im Kindergarten, Lösungsvorschläge wie “Wollen Sie das Kind nicht auf Diät setzen? Dann kann es leichter in den Klassenverbund integriert werden.” zeigen, wie früh bereits Gewichtsdiskriminierung beginnt und wie wenig hier Handlungsbedarf in Bezug auf die Täter gesehen wird.

Die Diskriminierung dicker Menschen wird gesellschaftlich toleriert, da ihnen die Schuld am Stein des Anstoßes zugesprochen wird: das hohe Gewicht. Sie essen zu viel, sie bewegen sich zu wenig, nur deshalb sind sie dick.