Schlankheitswahn

Irgendwie sieht es so aus, als würde jeder ununterbrochen über Diäten und Gewicht sprechen. Jeden Tag sehen wir Bilder von dünnen, attraktiven Menschen im Fernsehen und in Zeitschriften, aber nur selten dickere Mädchen und Frauen, die attraktiv sind. Jedes Jahr werden wir mit Hunderten von Abnehm-Werbespots bombardiert, die uns vermitteln, dass Schönheit, Berühmtheit und Erfolg nur durch Schlankheit erreicht werden kann.

All das weckt bei uns merkwürdige, oft auch falsche Vorstellungen von dicken Menschen. Wenn wir dünn sind, haben wir Angst, dick zu werden. Wenn wir auch nur ein bisschen "übergewichtig" sind, fühlen wir uns schlecht und wollen dünn sein. Sogar dünne Mädchen machen manchmal Diät, weil sie sich dick fühlen.

Das Problem ist, dass nur zwei Prozent der Frauen und Mädchen aussehen können wie Models, die für uns der Inbegriff der Schönheit sind. Der Rest von uns verbringt sein Leben damit, sich solche Werbung anzusehen und mit seinem Aussehen unzufrieden zu sein. Die Werbeleute wissen das. Genauso bekommen sie uns dazu, Geld für ihre Produkte zu bezahlen.

Schlankheitswahn schadet allen. Er verletzt unsere Selbstachtung und bringt uns dazu, unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzen, um auszusehen wie jemand anderes statt uns selbst. Er verletzt auch dickere Erwachsene, die mit Diskriminierung zu kämpfen haben, und dicke Kinder, die gehänselt und ausgeschlossen werden.

Viele Ärzte sind inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Diäten nicht funktionieren und dass viel zu viele Menschen Diät halten. Sie bestätigen auch, dass fast jeder, der willentlich Gewicht verliert, sie ein paar Jahre später wieder zugenommen hat. Ständige Gewichts-Zu- und -Abnahme kann krank machen. Weniger zu wiegen, als man sollte, kann ebenso krank machen. Diäten können zu gefährlichen Essstörungen wie Magersucht und Bulimie führen.

Was also sollen wir tun? Als erstes können wir die Medien genau beobachten. Wir können uns Fernseh- und Zeitschriftenwerbung ansehen und uns fragen: "Was ist hier das Motiv (mein Geld zu bekommen) und was die Methode (mich dazu zu bringen, mich schlecht zu fühlen, so dass ich das Produkt kaufe)". Wir können auch lernen, Vorbilder aller Kleidergrößen in unserer Familie zu suchen und in unserem Freundeskreis, nicht in Magazinen. Wir können unser eigenes Bild von Schönheit entwickeln und uns wohl in unserem Körper fühlen.

Wir können uns auch gesund ernähren und uns viel bewegen. Wir können etwas über Ernährung und die Etiketten auf Nahrungsmitteln lernen, damit wir wissen, was wir am Besten wählen. Wir können aufhören, Kalorien zu zählen, und stattdessen mehr Gemüse und Obst essen, weniger Junk-Food. Und natürlich können wir körperlich aktiv sein, um gesund zu bleiben. Fit kann jeder sein, unabhängig vom Gewicht.

Schließlich können wir eingreifen, wenn wir Gewichtsdiskriminierung sehen, und den Mund aufmachen, wenn sich jemand über eine körperliche Besonderheit eines anderen lustig macht. Wir können Kinder in allen Formen, Kleidergrößen und Hautfarben kennenlernen. Das hilft nicht nur dabei, dass alle sich dazugehörig fühlen, sondern wir bekommen dadurch auch einige gute Freunde.


© 1993, Nancy Summer für den Council on Size & Weight Discimination.

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