Voreingenommene Forschung
Vorurteile gegenüber Körpergewicht sind eine weit verbreitete Tatsache in unserer Kultur, und Forscher und Wissenschaftler sind dagegen keinesfalls immun. Wer im Gesundheitswesen tätig ist, sollte darauf achten, dass die eigene Meinung nicht seine Forschung oder Arbeit beeinflusst. Soll eine bessere Gesundheit aller Menschen erreicht werden, ist unvoreingenommene Forschung unverzichtbar.
Getrübt wird der ungehinderte Weg dahin durch Unternehmen, die Forschung finanzieren, jedoch selbst Abnehmprogramme oder -medikamente anbieten. Solche Interessenskonflikte sollten nicht nur aufgezeigt, sondern absolut vermieden werden. Wichtig ist, dass medizinische Forschung betrieben wird, die nicht unter dem Druck steht, ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen.
Noch ist ungeklärt, ob Übergewicht oder gar Fettleibigkeit schädlich sind*. Ebenfalls ungeklärt ist, ob Gewichtsabnahme, selbst langfristige, die Gesundheit verbessert oder die Lebenserwartung steigen lässt**. Vielmehr muss untersucht werden, welche Menschen durch ihr Körpergewicht gesundheitliche Risiken eingehen, und es sollten Behandlungen entwickelt werden, die speziell den Bedürfnissen solcher Menschen entgegenkommen. Beispielsweise zeigen einige Studien, dass nur der Fettgehalt in den Eingeweiden direkt mit Diabetes oder Arteriosklerose (Arterienverkalkung) zusammenhängt.
Generell geht der Trend in Richtung medikamentöse Behandlung von Fettleibigkeit. Dies sollte neu überdacht werden. Die Behandlung einfacher Fettleibigkeit durch wiederholte Arztbesuche scheint keinerlei Vorteile zu haben. So wird schweren Menschen – vor allem in den USA – ein Leben lang eine bedeutende finanzielle Bürde aufgeladen, jedoch ohne jegliche Anzeichen, dass der Arzt hilfreicher wäre als irgendeine Frauenzeitschrift vom Kiosk.
Der größte Widerspruch in der wissenschaftlichen Untersuchung der Fettleibigkeit ist vermutlich, dass empirische Tests in Kliniken nicht zwischen dem Erfolg, der jeweils durch Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung oder Bewegung erzielt wird, unterscheiden. Eine beachtliche Menge an Daten belegt nun, dass körperliche Bewegung, selbst ohne Gewichtsabnahme, einen positiven Effekt auf die Erkrankungsziffer fettleibiger Menschen haben kann. Gewichtsabnahme mag zusätzlich förderlich sein; betrachtet man jedoch die Fehlrate von Diäten, sollte man Gewichtsabnahme nicht zu einem für die breite Bevölkerung erstrebenswerten Ziel machen. Wir schlagen dagegen ein gesünderes Verhalten vor und unterstützen Untersuchungen, die auf eine bessere Ernährung und mehr körperliche Betätigung hinarbeiten.
Wir sehen einen dringenden Bedarf, die folgenden Fragen genauer zu untersuchen:
© 2003, Lynn McAfee für den Council on Size & Weight Discrimination
* Dieser Artikel stammt aus dem Jahr 2003. Inzwischen gibt es neuere Studien, die darauf hinweisen, dass Übergewicht und Fettleibigkeit bis zu einem BMI bis 35 mit keinerlei Gesundheitsrisiken verbunden sind. Erst ab einem BMI von 35 gehen die Risiken etwas, aber undramatisch, hoch. Nachweis: Siehe Buchempfehlung unten.
** Auch in diese Frage scheint inzwischen einiges Licht gekommen zu sein: Versuche der Gewichtsabnahme, auch erfolgreiche, sind mit erheblichen Risiken für die Gesundheit verbunden, Risiken, die sich durch die vermeintlichen Vorteile des reduzierten Gewichts nicht rechtfertigen lassen. Nachweis: Siehe Buchempfehlung unten.
Bitte beachten Sie zu dem Thema auch Udo Pollmer:
"Esst endlich normal! Wie die Schlankheitsdiktatur die Dünnen dick und die Dicken krank macht." München/Zürich: Piper 2005.
Hier werden einige gut fundierte Antworten zu den oben aufgestellten Fragen gegeben.
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