Verschreibungspolitik


Die Herstellung verschreibungspflichtiger Medikamente, insbesondere von gewichtsreduzierenden Medikamenten, ist ein riesiger, wachsender und sehr gewinnbringender Wirtschaftszweig. Unglücklicherweise kann Profitstreben selbst der besten Forschung und den strengsten Verordnungen in die Quere kommen.

Das Fiasko mit dem Medikament Fen/Phen und seinem Bestandteil Redux ist ein gutes Beispiel für dieses Problem. Redux wurde als gewichtsreduzierendes Medikament zugelassen trotz Hinweisen auf schwerwiegende Gesundheitsrisiken (Der Council on Size and Weight Discrimination hat sich bei der Anhörung vor der Federal Drug Administration (FDA), die der Zulassung vorausging, gegen das Medikament ausgesprochen). Millionen von Rezepten waren bereits ausgestellt, bevor die Ärzte ernsthafte und manchmal sogar tödliche Probleme an den Herzklappen ihrer Patienten feststellten. Redux wurde vom Markt genommen.

Wenn eine Regulierungsbehörde gegenüber dicken Menschen voreingenommen ist und eine Gewichtsreduzierung um jeden Preis grundsätzlich bevorzugt, dann lässt sie Medikamente zu, die alles andere als sicher und wirksam sind. Das Medizinprojekt des Council macht auf diese Vorurteile aufmerksam und setzt sich dafür ein, dass die Sicherheits- und Wirksamkeitsrichtlinien für alle Medikamente gelten, gewichtsreduzierende eingeschlossen.

Das Medizinprojekt ist in wichtigen Ausschüssen und Arbeitsgruppen vertreten, die mit den National Institutes of Health (NIH) (der US-Gesundheitsbehörde), der Federal Drug Administration (FDA) (der Medikamentenaufsichtsbehörde) und der Federal Trade Commission (FTC) (der US-amerikanischen Handelskammer) in Verbindung stehen. Lynn McAfee, die Leiterin, befindet sich zudem im Gespräch mit Arzneimittelfirmen und Forschungsgruppen.

Die Studie eines Verbrauchermagazins hat gezeigt, dass Kunden mit Abnehmprogrammen unzufriedener sind als mit irgendeinem anderen vergleichbaren Produkt. Der Council arbeitet mit der FTC (der US-Handelskammer) und anderen Interessengruppen zusammen, um einen Weg zu erarbeiten, wie man Verbraucher vor Diätbetrug schützen kann. Bei ihrer Untersuchung von Diätwerbung hat die FTC herausgefunden, dass über die Hälfte irreführende oder falsche Informationen liefert. Lynn McAfee hat auf der Pressekonferenz der FTC Richtlinien für eine ordentliche Geschäftspraxis von Diätfirmen aufgestellt. Leider sind diese Richtlinien freiwillig, so dass die Verbraucher immer noch nicht offiziell gegen betrügerische, unmoralische und erfundene Versprechen von Gewichtsreduzierung geschützt sind.

Der Council on Size and Weight Discrimination vertritt die Interessen von dicken Menschen bei Verhandlungen mit der FTC und den großen Diätfirmen. Er hat es zwar noch nicht geschafft, unsere Richtlinien verbindlich zu machen, aber er ist Teil einer Vereinigung, die die Anbieter von Diätprogrammen dazu bringen will, ihre Qualifikationen, die Kosten des Programms und dessen langfristiges Ergebnis bekannt zu geben. Die ersten zwei dieser Ziele sind jetzt Teil einer freiwilligen Vereinbarung, und der Council arbeitet daran, dass auch über die langfristigen Erfolgschancen Rechenschaft abgelegt werden muss. Die gute Nachricht ist, dass Lynn McAfee sehr häufig in Zeitungsartikeln über diese Richtlinien zitiert wird. Verbraucherschutzzentren wie der Council on Size and Weight Discrimination sind zu einer Kraft geworden, mit der man rechnen kann.

McAfee hat die Anstrengungen zusammengeführt, die Arzneimittelfirmen dazu bringen sollen, ihre Werbemittel auf geringfügige, aber entscheidende Weise zu verändern. Eine Firma hat sich bereit erklärt, "Vorher-Nachher"-Fotos nicht mehr zu verwenden. Diese Fotos wurden seit Langem kritisiert, weil sie einen falschen Eindruck entstehen lassen. Sie legen nahe, dass man das Medikament einnehmen muss, um ein lächelnder, aktiver und beliebter Mensch zu werden; Tatsache ist jedoch, dass jeder bezaubernd aussehen kann, wenn die Kleidung, das Make-up, die Frisur und die Beleuchtung stimmen.

Der Council hat z.B. den Hersteller des Medikaments "Meridia" davon überzeugt, verschieden dicke Menschen zu zeigen und sie als glücklich, aktiv und gesundheitsbewusst darzustellen. Die Einnahme von Meridia führt gewöhnlich zu einem Verlust von wenigen Kilos und muss ein Leben lang eingenommen werden. Deswegen ist es sinnvoller, dafür mit molligen Frauen anstelle von beachvolleyballspielenden Bikini-Models zu werben.

Die gewichtsreduzierenden Medikamente, die derzeit auf dem Markt sind, werden aus einem dicken Menschen keinen dünnen machen. Es ist jedoch möglich, dass einige von ihnen einen Platz in der Behandlung von Fettleibigkeit einnehmen können, wenn ernsthafte Komplikationen auftreten. Auf ein neues gewichtsreduzierendes Medikament, das einigermaßen wirksam ist, müssen wir wohl noch warten; bislang haben alle neuen Medikamente schwerwiegende Nebenwirkungen. Wir können jedoch auf die weitere Forschung der Arzneimittelfirmen zählen, weil sich damit viel Geld verdienen lässt. Wir müssen sicher stellen, dass sich die Forschung mit der Biologie von dicken Körpern beschäftigt und damit, warum und wie Menschen zunehmen, abnehmen und wieder zunehmen. Schnelle Lösungen reichen nicht aus.

 

Fragen?

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen: FAQ.