Fat Shamer in Chief

Warum Donald Trumps Dickenfeindlichkeit kritisiert werden sollte, ohne dabei selbst dickenfeindlich zu werden.

Donald Trump hat in seiner Bewerbung für die Präsidentschaft der USA keine Minderheit mit Beleidigungen verschont. Er hat unter anderem Menschen mit Behinderung, Muslime, Latinos und Schwarze beleidigt. Vor allem hat er immer wieder Frauen auf ihr Äußeres reduziert: Models, Politikerinnen, Unternehmerinnen, Frauen, die ihn sexueller Übergriffe beschuldigten, sogar seine eigene Tochter. In der ersten Präsidentschaftsdebatte Ende September hat Trump gleich zweifach dicke Menschen stigmatisiert.

Einmal das fiktive Stereotyp eines 200 Kilo schweren Hackers, der von seinem Bett aus mit Hilfe seines Laptops die nationale Sicherheit der USA gefährden könne: und, nach dem er von seiner Konkurentin Hillary Clinton damit konfrontiert wurde, auch die ehemalige Miss Universe Alicia Machado. Sie habe nach ihrer Wahl zur Miss Universe 1996, der ersten Miss Universe Wahl nach dem Trump die Veranstaltung übernommen hatte, massiv an Gewicht zugenommen. Das sei ein reales Problem gewesen, ließ Trump sich in den folgenden Tagen zitieren. 1996 hatte er Machado als „Fressmaschine“ als „Miss Piggy“ und als „Miss Housekepping“ verspottet. „Miss Housekeeping“ war dabei als Anspielung auf ihre lateinamerikanische Herkunft  zu verstehen. Als Latina mit dieser Figur sei sie nur als Putzfrau zu gebrauchen, so Trumps augenscheinliche Intention.

In vielen Kommentaren wurde Trump nicht nur für seine dicken- und frauenfeindlichen Ausfälle kritisiert. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass er selbst nach gängigen Kriterien mindestens übergewichtig, wahrscheinlich sogar adipös sei. Eine Senatorin twitterte,sie machten sich Sorgen um sein Gewicht, er solle abnehmen und sich täglich wiegen lassen, so wie das bei dem von ihm veranstalteten Schönheitswettbewerben üblich ist. Ein Künstlerteam stellte Statuen eines nackten Trumps mit Hängebauch und kleinen Genitalien und der Aufschrift „The Emperor has no balls“ in mehreren Städten aus.

Doch so nachvollziehbar der Wunsch, Donald Trump wieder klein machen zu wollen auch ist, ist es weder besonders originiell noch hilfreich, sich dabei über sein Äußeres lustig zu machen. Denn einerseits begibt man sich dabei auf sein Niveau und andererseits werden auf diese Weise, wenn auch unbeabsichtigt, Menschen beschämt, die keinen Astralkörper und keine großen Geschlechtsteile haben. Donald Trumps Charakter, seine Worte und seine Taten sind eine Ausgeburt an Hässlichkeit. Sein Aussehen hingegen tut nichts zur Sache.