Was Sie tun können

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  1. Fangen Sie bei sich selbst an, indem Sie sich die Zeit nehmen, einmal darüber nachzudenken, in welchen Bereichen dicke Menschen in unserer Gesellschaft diskriminiert werden und inwieweit Sie selbst Vorurteile gegenüber dicken Menschen haben – negative wie positive. Manche Vorurteile sind nicht sofort als solche erkennbar. Wenn Ihnen Gedanken wie „er sieht gut aus, obwohl er so dick ist“ oder „sie ist dick, aber trotzdem sportlich“ vertraut vorkommen, sollten Sie hinterfragen, warum Sie die genannten Eigenschaften als bemerkenswerte Ausnahme empfinden.
  2. Hinterfragen Sie Vorurteile wie „dicke Menschen sind faul“ oder „dicke Menschen haben eine geringere Leistungsbereitschaft“. Setzen Sie sich kritisch mit der Frage auseinander, ob Dicksein ungesund und ob es wirklich selbstverschuldet ist. Welche Rolle spielen Faktoren wie beispielsweise Stress, Schlafmangel, Tageslichtmangel und frühere Diäten? Beziehen Sie Ihre Antworten aber nicht aus Medienartikeln und Internetforen, sondern suchen Sie nach seriösen Studien, die diese Fragen an einer möglichst großen Zahl von Probandinnen*Probanden zu klären suchen. Auf unserer Website finden Sie Hinweise dazu, woran Sie eine seriöse Studie erkennen, und Hilfestellungen für ein besseres Verständnis der Daten.
  3. Sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn, Ihrer Familie, Ihrer Kollegin, Ihrer Ärztin und Ihrem Frisör über das Thema, und zwar nicht nur, wenn Sie selbst dick sind, sondern gerade auch als dünne Person. Verwenden Sie bei der sachlichen Erörterung der Körperform neutrale Bezeichnungen wie „dick“ oder „hochgewichtig“. Vermeiden Sie wertende Begriffe wie „übergewichtig”, pathologisierende wie „adipös“ und euphemistische wie „vollschlank“, „korpulent“ und „stark“. Letztere suggerieren, dass Dicksein so schlimm ist, dass man es besser nicht beim Namen nennt.
  4. Wenn Sie selbst dick sind: Verstecken Sie sich nicht in Ihrer Wohnung, sondern zeigen Sie sich! Gehen Sie aus, tragen Sie Kleidung, die weder Ihren Körper noch Ihr wahres Ich versteckt, gehen Sie tanzen, schwimmen, ins Kino, an den Strand, lassen Sie sich beim Wellness verwöhnen. Jeder dicke Mensch, der all das tut, was in unserer Gesellschaft ausschließlich mit einem dünnen Körper assoziiert wird, trägt dazu bei, dass der dicke Körper Schritt für Schritt als Teil der Normalität verstanden wird; und dass andere dicke Menschen sich ebenfalls trauen, all diese Dinge zu tun.
  5. Wenn Sie diskriminiert werden, warten Sie nicht, bis Sie psychisch am Ende sind und womöglich körperliche Symptome zeigen. Holen Sie sich Hilfe! Notieren Sie nach jedem Diskriminierungsfall, wann was wo genau passiert ist. Wer war anwesend, von wem ging die Diskriminierung aus? Gab es Zeugen, womöglich Videobeweise (Überwachungskamera)? Machen Sie Diskriminierungen öffentlich! Wenden Sie sich mit Ihrem Fall an die Medien, schreiben Sie selbst einen Artikel darüber oder tragen Sie ihn in unsere Diskriminierungskarte ein. Protestieren Sie gegen Diskriminierung, wo sie Ihnen besonders auffällt, beispielsweise wenn dicke Menschen im Flugzeug doppelt zahlen sollen oder in Ihrer Lieblings-TV-Serie als zügellose Versager*innen dargestellt werden. Schreiben Sie einen Brief an die entsprechende Firma bzw. die Zuschauerredaktion oder eine Beschwerde an die kassenärztliche/privatärztliche Vereinigung, wenn Sie sich von Ihrer Ärztin*Ihrem Arzt wegen Ihres Gewichts schlecht oder von oben herab behandelt gefühlt haben.
  6. Wenn Sie eine Diskriminierung beobachten, springen Sie der betroffenen Person zur Seite und stellen Sie klar, dass Sie das Verhalten der Täterin*des Täters nicht billigen und als Zeugin*Zeuge zur Verfügung stehen werden, falls die betroffene Person weitergehende Schritte unternehmen möchte. Machen Sie klar, dass Sie die Diskriminierung als deutliche Grenzüberschreitung werten und nicht als Kavaliersdelikt.
  7. Schreiben Sie einen Brief an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und schildern Sie, wie Sie diskriminiert wurden bzw. welche Diskriminierungen Sie beobachtet haben. Benennen Sie klar, dass es sich um eine Diskriminierung anhand des äußeren Erscheinungsbildes auf Basis Ihres Körpergewichts handelt. Die Antidiskriminierungsstelle als Organisation des Bundes kann so die eigenen Forderungen in puncto Diskriminierungsschutz mit Beispielen untermauern. Langfristig kann dies dazu führen, dass das äußere Erscheinungsbild und damit der Faktor Gewicht/Körperform ins Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen wird.
  8. Sprechen Sie mit jedem über das Thema Gewichtsdiskriminierung, der politisch aktiv ist oder Kontakte in diesem Bereich haben könnte. Sensibilisieren Sie idealerweise eine*n Bundestagsabgeordnete*n oder eine*n Referentin*Referenten im Bundesfamilienministerium für das Thema – in Ihrem Bekanntenkreis, in Ihrem Wahlkreis, bei Veranstaltungen.
  9. Organisieren Sie eine Protestaktion wie XL im Sack! Wir unterstützen Sie dabei.
  10. Unterstützen Sie die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V. mit Ihrer Mitgliedschaft, denn jedes Mitglied erhöht die Relevanz der Organisation und damit ihren politischen Einfluss. Geben Sie uns durch Ihren Mitgliedsbeitrag die Möglichkeit, öffentlichkeitswirksame Aktionen umzusetzen, und engagieren Sie sich in unseren Arbeitsgruppen!